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sleepingsquad

2016





Die mehrkanalige Videoinstallation sleepingsquad arbeitet mit Videos der Community Plattform younow.com, auf der sich Menschen während des Schlafens live streamen.

Perform life. Always on. So das Motto einer modernen, vernetzten Gesellschaft, in der selbst eine der letzten privaten Handlungen performt wird – der eigene Schlaf. Obgleich in einem intimen, unbewussten und normalerweise unbeobachteten Zustand, setzen sich die Protagonisten aktiv für die Kamera in Szene. In der Installation zu einer Gruppe formiert, geben die isolierten Schlafenden freien Blick in ihre Privatsphäre und die Streams werden zum kollektiven sleeping selfie.



Sleepingsquad is a multi channel video installation which includes videos from the community platform younow.com, on which people are live streaming during their sleep.

Perform life. Always on. Due to this motto of modern society the protagonists actively frame their selves to perform one of the last private, unconscious and unsurveiled act in modern society for the camera – their own sleep.
Being arranged in a group of sleepers they offer an uncontrolled insight into their rooms and private life and the streams become a collective sleeping selfie.




Agnes D. Schofield, Katalog zur Ausstellung selfciety –– whiteBOX, München

Die 9-Kanal-Videoinstallation sleepingsquad (auf Deutsch „schlafende Truppe") zeigt im Live-Streaming Aufnahmen von Schlafenden — und demonstriert vor allem eines: In der modernen, vernetzten Gesellschaft geht jeder Winkel Privatsphäre verloren. Oder genauer: geben die Menschen ihre noch so intimen Rückzugsorte freiwillig auf. Die Protagonisten in Manja Eberts Arbeit stellten sich ihre Webcams in ihre Schlafzimmer. Der Grund? Mit Intimität weckt man Sensationslust und steigert so die Zahl seiner digitalen Anhänger. Als Andy Warhol 1963 mit seinem Experimentalfilm „Sleep" debütierte, ging es dem Pop-Art-Vertreter um ein Experiment und um die Belastbarkeit des Zuschauers. Dieser musste schließlich damit rechnen, dass der Stummfilm über den schlafenden Beat-Poeten John Giorno vor allem eines ist: lang und langweilig (311 min). Bis sich etwas ereignet, können Stunden vergehen und das Kunstwerk zur Dauerstrapaze ausarten. Doch, so die Erkenntnis aus heutiger Sicht, der Voyeur in uns ist ausdauernd. So ist auch 50 Jahre nach Warhols Experiment ein Schlafender für einige Späher immer noch ein anziehendes Lustobjekt. Weniger lustvoll wird indes für den Beobachteten die Situation, wenn — so die Gefahr in der digitalisierten Epoche — der Computer gehackt würde. Ein halbes Jahrzehnt nach Warhol schwingt in Manja Eberts Werk die Bedrohung mit, ob die Webcam jemals schläft.
Ob sie mit Betätigen des Ausschaltknopfs auch tatsächlich außer Betrieb ist.